酒 nennt man jedes alkoholische Getränk, und schon das ist eine Falle: Man übersetzt es gern mit „Wein“, aber der chinesische 酒 wird vor allem aus Getreide gemacht, aus Hirse, Sorghum oder Reis. Das Zeichen verbindet das Wasser 氵 mit 酉 , das einen Krug mit engem Hals zeichnet. Auf den Orakelknochen genügte der Krug allein, um den Alkohol zu bezeichnen; das Wasser kam erst später hinzu. Der Krug findet sich in allem, was gärt: 醉 „betrunken“, 醋 „der Essig“, 酱 „die Soße“. Und in der traditionellen Form von „Arzt“, 醫: Man heilte mit Alkohol, sagt die klassische Erklärung, die ich für plausibel halte, ohne mich für sie verbürgen zu können.
Der Tee hat seine eigene Seite (Der Tee und seine Bräuche); diese hier kümmert sich um den Rest. Trinken heißt 喝 , Durst haben 渴 . Die beiden Zeichen teilen dasselbe phonetische Element, 曷, aber nicht dasselbe Radikal: der Mund 口 für das Trinken, das Wasser 氵 für den Durst. Die Schriftsprache dagegen bevorzugt 饮 , das man in 饮料 wiederfindet, wörtlich „der Stoff zum Trinken“ ⟶ das Getränk.
In China trinkt man heiß. In Bahnhöfen, Zügen und Büros wartet ein Spender mit kochendem Wasser auf die Reisenden, und viele Familien halten eine Karaffe 凉白开 kühl, abgekochtes Wasser, das man abkühlen lässt. Eiswasser gilt als schlecht für den Magen. Der Rat 多喝热水, „trink mehr heißes Wasser“, ist übrigens zum Witz geworden: Das ist die Antwort des Freundes, der nicht weiß, was er sagen soll, wenn seine Freundin krank ist. (Lange habe ich geglaubt, es sei eine Frage der Gesundheit; es ist vor allem eine Gewohnheit, und Leitungswasser trinkt man nicht, ohne es abzukochen.)
Die Getränke aus der Fremde haben dem Chinesischen ein hübsches Transkriptionsproblem beschert. 可口可乐 heißt „angenehm für den Mund, macht fröhlich“: Besser geht es kaum. Man erzählt, dass Händler in Shanghai es vorher unter dem Namen 蝌蝌啃蜡 verkauften, „die Kaulquappe beißt ins Wachs“; die Geschichte ist zu schön, als dass ich mich für sie verbürgen würde. 雪碧 , Sprite, ist „das Schneegrün“. 咖啡 bedeutet nichts: zwei Zeichen mit dem Radikal des Mundes, gewählt wegen ihres Klangs. Der 拿铁 , der Milchkaffee, „nimmt das Eisen“, und der 鸡尾酒 ist seinerseits eine Lehnübersetzung: „der Hahnenschwanz-Alkohol“.
Das Land des Tees hat sich dem Kaffee zugewandt. Das erste 星巴克 , Starbucks, öffnete 1999 in Peking, und heute eröffnen chinesische Ketten Cafés zu Tausenden. Aber Vorsicht, nicht jeder Kaffee in China ist importiert: Er wächst auch in Yunnan, rund um Pu’er, genau jene Stadt, die dem Tee ihren Namen gab. Die ersten Kaffeebäume Yunnans soll Anfang des 20. Jahrhunderts ein französischer Missionar gepflanzt haben, weiter nördlich, in einem Dorf in der Gegend von Dali; mehr als ein „heißt es“ habe ich nicht gefunden.
Der 珍珠奶茶 , der Bubble Tea, ist in den 1980er-Jahren in Taiwan entstanden, und zwei Teehäuser streiten sich bis heute um die Erfindung. Ihn zu bestellen ist eine gute Übung: Man muss die Größe wählen, 大杯 oder 中杯, den Zucker, 全糖, 半糖 oder 无糖, und das Eis, 少冰 oder 去冰. Die Verkäuferin ihrerseits wartet nicht. Es ist eine der seltenen Situationen, in denen ein Anfänger vom ersten Tag an schnelles Chinesisch verstehen muss.
Zurück zum Alkohol. Der 白酒 , „der weiße Alkohol“, ist ein Sorghumbranntwein, der oft über fünfzig Prozent hat. Der 黄酒 , „der gelbe Alkohol“, ist ein vergorener Reiswein, wie der aus Shaoxing, der auch in der Küche verwendet wird. Seit wann wird destilliert? Li Shizhen schrieb im 16. Jahrhundert, der Branntwein sei kein altes Verfahren und stamme aus der Yuan-Zeit; manche Archäologen halten ihn für viel älter. Die Debatte ist nicht abgeschlossen. Der Pekinger 二锅头 , „der Kopf des zweiten Kessels“, bewahrt in seinem Namen einen Handgriff der Destillation, und der 茅台 aus Guizhou diente bei Staatsbanketten zum Anstoßen, mit Nixon im Jahr 1972.
Der Erfinder des Alkohols soll 杜康 gewesen sein, eine legendäre Gestalt, und sein Name wurde schließlich zum Wort für den Alkohol selbst. Cao Cao hat ihn in einem Vers verewigt: 何以解忧?唯有杜康, „Wie den Kummer vertreiben? Da hilft nur Du Kang.“ Der Traubenwein, 葡萄酒 , kam später, aus den Westgebieten: Ihn besingt Wang Han in Satz 23 der Liste (Lied von Liangzhou), mit seinem Jadebecher und den Grenzsoldaten, die trinken, bevor sie aufbrechen.
Bei Tisch stößt man an, 干杯, wörtlich „den Becher trocknen“ (siehe Gesten und Körperhaltungen). Der Gastgeber drängt seine Gäste zum Trinken, 劝酒 , und man misst den 酒量 jedes Einzelnen, sein „Fassungsvermögen für Alkohol“. Aber die Dinge haben sich geändert: Seit 2011 ist Trunkenheit am Steuer eine Straftat, und die Parole aus Satz 10 steht an allen Straßen. Und wenn sich die Zunge löst, 酒后吐真言, „nach dem Alkohol spuckt man die Wahrheit aus“: Die Römer sagten dasselbe auf Latein.
Die Dichter haben viel getrunken, oder zumindest viel beim Trinken geschrieben. Du Fu sagte von Li Bai, ein Scheffel Alkohol bringe ihm hundert Gedichte. Satz 24 ist von Li Bai, allein unter dem Mond mit seinem Becher: Er lädt den Mond ein, sein Schatten gesellt sich dazu, und schon sind sie zu dritt (sein bekanntestes Gedicht, ebenfalls über den Mond, steht auf unserer Seite Gedanken in einer ruhigen Nacht). Man erzählt, er sei ertrunken, als er das Spiegelbild des Mondes im Wasser umarmen wollte. Die Legende ist spät entstanden, ich glaube kaum daran, aber sie passt zu ihm. Ouyang Xiu, der sich „den alten Trunkenbold“ nannte, 醉翁 , gestand, dass seine Freude nicht im Wein lag, sondern in den Bergen und Flüssen: Daher kommt 醉翁之意不在酒.
Der Alkohol hat Spuren in den Wörtern des Alltags hinterlassen. Ein 酒店 ist ein Hotel, kein Ausschank. 水平 ist das Niveau, wörtlich „das Wasser eben“. „Tinte getrunken“ zu haben, 喝墨水, heißt, studiert zu haben; ausländische Tinte getrunken zu haben heißt, im Ausland studiert zu haben. Und im Internet bezeichnet ein 杯具 , „Trinkgeschirr“, durch ein Wortspiel eine Tragödie, 悲剧, die fast gleich ausgesprochen wird.
Der letzte Satz der Liste stammt aus den Gesprächen (Kapitel 10 der Gespräche des Konfuzius): 惟酒无量,不及乱. Der französische Jesuit Couvreur übersetzt: „Die Menge an gegorenem Getränk, die er zu sich nahm, war nicht festgelegt; doch sie ging nie so weit, ihm den Verstand zu trüben.“ Dasselbe Kapitel vermerkt, dass Konfuzius keinen auf dem Markt gekauften Alkohol trank. Aus Sorge um die Hygiene oder aus Achtung vor den Riten? Die Kommentatoren sind sich uneins. Kein Maß also. Aber eine Grenze.
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Trinken im Alltag
trinken
Durst haben
durstig sein, der Durst
das Getränk
das Wasser
Wasser trinken
das heiße Wasser
das Mineralwasser
eine Flasche
ein Glas, eine Tasse
das Eiswasser
das abgekochte, abgekühlte Wasser
bei Zimmertemperatur
das gereinigte Wasser (in Flaschen)
erfrischen, vor der Sommerhitze schützen
Säfte und kalte Getränke
der Fruchtsaft
der Orangensaft
der Apfelsaft
die Cola
der Eiswürfel
die Limonade, die Brause
der Strohhalm
das Sprite („Schneegrün“)
das Sodawasser, das Sprudelwasser
die Kokosmilch (als Getränk)
der Wassermelonensaft
die Zitronenlimonade, das Zitronenwasser
mit Eis
das Getränk aus Räucherpflaumen („saure Pflaumensuppe“)
eisgekühlt, auf Eis gekühlt
das kohlensäurehaltige Getränk („karbonisiertes Getränk“)
der Energydrink
Ein Getränk bestellen
der Bubble Tea („Milchtee mit Perlen“)
der Bubble-Tea-Laden
halb gesüßt
ohne Zucker
wenig Eis
groß
mittel
klein
der salzige Milchschaum (auf Tee)
normal gesüßt („voller Zucker“)
ohne Eis
nachfüllen, das nächste Glas (gratis)
Der Kaffee
der Kaffee
das Café
der Latte, der Milchkaffee
der Cappuccino
der Instantkaffee, der lösliche Kaffee
die Kaffeebohne
die Kaffeemaschine
der schwarze Kaffee
mit Milch
Starbucks
der Espresso
das Koffein
der Barista
Heiße Getränke
das Heißgetränk
die heiße Schokolade
das Honigwasser
trinken, solange es heiß ist
der Kakao
der Ingwersud (gegen Erkältung)
das Wasser mit braunem Zucker
sich den Mund verbrennen
dampfen, Dampf abgeben
schön warm, heiß
Chinesische Alkoholika
der Alkohol, das alkoholische Getränk (gegoren oder destilliert)
Alkohol trinken
der chinesische Schnaps, der Baijiu („weißer Alkohol“)
das Bier
der gelbe Wein (aus vergorenem Getreide)
der Reisalkohol, der Reiswein
der Maotai (Schnaps aus Guizhou)
der Erguotou (Pekinger Schnaps, „Kopf des zweiten Destillierkolbens“)
das Tsingtao-Bier
der Alkoholgehalt, die Prozente
der starke Alkohol, die Spirituosen
der Bierbauch
der Shaoxing-Wein
der Sorghumschnaps
Weine und Spirituosen aus aller Welt
der Wein („Traubenalkohol“)
der Rotwein
die Bar
der Cocktail („Hahnenschwanz-Alkohol“)
der Weißwein
der Champagner
der Whisky
das Weinglas
der ausländische Alkohol
der Brandy, der Cognac
der Wodka
der Korkenzieher, der Flaschenöffner
der trockene Rotwein
Trinken und zu viel trinken
sich betrinken, betrunken sein
betrunken
die Trinkfestigkeit
der Säufer („Alkoholdämon“)
die Trunkenheit am Steuer
der Alkohol (als Stoff)
zum Trinken drängen
ausnüchtern, den Rausch vertreiben
nüchtern werden; (Wein) dekantieren
die Häppchen zum Alkohol
„tausend Becher, ohne betrunken zu werden“: viel vertragen
„nach dem Alkohol spuckt man die Wahrheit aus“: in vino veritas
Der Alkohol in Redewendungen
gut gegessen und getrunken haben
„dem alten Trunkenbold geht es nicht um den Wein“: etwas anderes im Sinn haben
„guter Wein fürchtet keine tiefe Gasse“: gute Ware lobt sich selbst
seinen Kummer im Alkohol ertränken
„den Nordwestwind trinken“: nichts zu essen haben
trinken, bis man betrunken ist
„neuer Wein in alten Flaschen“
„den Bogen im Becher für eine Schlange halten“: sich grundlos fürchten
„Tinte trinken“: studieren
„beim Wassertrinken an die Quelle denken“: nicht vergessen, was man anderen verdankt
Getränke in den Wörtern des Alltags
das Hotel
das Niveau
braun, kaffeebraun
essen, trinken und sich vergnügen: das süße Leben
bejubeln, Beifall klatschen
das Trinkgeschirr; (im Internet) eine Tragödie, als Wortspiel mit 悲剧
berauscht, hingerissen sein (von Musik, einer Landschaft)
die Schmuggelware, die Fälschung
„eine Tasse Brühe“: ein Stück vom Kuchen
Beispielsätze
Was möchtest du trinken?
Ich hätte gern eine schön kalte Cola.
Es ist zu heiß, trink ein bisschen mehr Wasser.
Viele Chinesen trinken gern heißes Wasser.
Jeden Morgen trinke ich eine Tasse Kaffee.
Er trinkt keinen Alkohol, nur Fruchtsaft.
Der Bubble Tea in diesem Laden ist sehr gut.
Herr Ober, noch zwei Bier!
Einen Milchtee bitte, halb gesüßt, mit wenig Eis.
Wer trinkt, fährt nicht; wer fährt, trinkt nicht.
Er verträgt sehr viel: Er hat eine ganze Flasche Baijiu getrunken, ohne betrunken zu werden.
Baijiu ist sehr stark: Er hat meist über fünfzig Prozent.
An einem chinesischen Tisch drängt der Gastgeber seine Gäste oft, noch ein paar Gläser zu trinken.
Bei einer Erkältung trinkt man eine Schale Ingwersud, schwitzt ein bisschen, und schon ist man wieder gesund.
Im Sommer gibt es gegen die Hitze nichts Besseres als eine Schale eiskalten Pflaumentrunk.
Viele junge Leute arbeiten gern im Café bei einer Tasse Kaffee.
Französischer Rotwein ist in China sehr beliebt.
Er hat zu viel getrunken und konnte sich am nächsten Tag an nichts mehr erinnern.
Shaoxing-Wein ist ein gelber Wein; man verwendet ihn auch oft in der Küche.
Gute Ware lobt sich selbst: Was gut ist, braucht keine Werbung.
Er lädt mich zum Essen ein, aber er hat etwas anderes im Sinn: Er will, dass ich ihm helfe.
Wenn er niedergeschlagen ist, ertränkt er seinen Kummer oft im Alkohol.
Guter Traubenwein im nachts schimmernden Becher; gleich wollen wir trinken, doch die Pipa, zu Pferde, drängt zum Aufbruch.
Ich hebe den Becher und lade den Mond ein; mit meinem Schatten sind wir zu dritt.
Die Menge an gegorenem Getränk war nicht festgelegt; doch sie ging nie so weit, ihm den Verstand zu trüben.


