Fleisch heißt 肉 . Das Zeichen zeigt ein abgeschnittenes Stück mit seinen Fasern, und es führt ein Doppelleben: Als Komponente hat es die Form von 月 angenommen. Das 月 in 肚 , Bauch, in 肝 , Leber, oder in 胖 , dick, hat nichts mit dem Mond zu tun: Es ist das Fleisch des Körpers, und die Wörterbücher sprechen von 肉月 , dem „Fleischmond“, um es nicht mit dem anderen zu verwechseln. Diese Seite schließt an Obst und Gemüse an: Fleisch, Geflügel, Fisch und was aus dem Meer kommt.
In China ist 肉 ohne Zusatz Schweinefleisch. Man sagt eigens 牛肉 für Rind und 羊肉 für Hammel, aber niemand sagt 猪肉 , wenn er auf dem Markt ein wenig Fleisch verlangt: Schwein allein macht mehr als die Hälfte des im Land verzehrten Fleisches aus. Das Rind dagegen war auf dem Tisch lange verpönt, aus einem einfachen Grund: Es zog den Pflug. Mehrere Dynastien verboten, Pflugochsen zu schlachten, und man aß kaum das Tier, das einen ernährte.
Fleisch zu essen war lange ein Privileg. Im 左传 will ein Mann aus dem Volk, 曹刿 , seinen Fürsten vor einer Schlacht beraten; seine Nachbarn sagen ihm, er solle das den „Fleischessern“ überlassen, also den Würdenträgern, und er antwortet: 肉食者鄙, „die Fleischesser sind kurzsichtig“. Konfuzius wiederum ließ sich in Fleisch bezahlen: Er hat nie jemandem den Unterricht verweigert, der ihm das 束脩 brachte, bei Couvreur „und wären es nur zehn Scheiben getrocknetes Fleisch“ (auf unserer Seite Kapitel 7 der Gespräche des Konfuzius). Allerdings ist das Wort umstritten: Manche alten Kommentatoren lesen darin kein Bündel Fleisch, sondern den Gürtel, den man mit fünfzehn Jahren band, dem Alter, in dem man zur Schule kam. Ich habe dazu keine feste Meinung. (Der Lehrer in mir hätte nichts gegen Schinken.)
荤 ist das Gegenteil von 素 : Ein 荤菜 ist ein Fleisch- oder Fischgericht, ein 素菜 ein Gemüsegericht. Aber sehen Sie sich das Radikal von 荤 an: Es ist 艹, das Gras. Das Wort bezeichnete zuerst stark riechende Pflanzen, Knoblauch, Frühlingszwiebel, Lauch, die sich buddhistische Mönche versagen, weil sie Körper und Leidenschaften erhitzen; es sind Knoblauch und Frühlingszwiebel von der vorigen Seite. Die Bedeutung ist zum Fleisch hinübergeglitten, und das Gras ist im Zeichen geblieben. 开荤 heißt, nach einer fleischlosen Zeit wieder Fleisch zu essen.
鲜 , das Wort, das zugleich das Frische und den herzhaften Geschmack der Brühen bezeichnet (siehe unsere Seite Die fünf Sinne), wird mit 鱼, Fisch, und 羊, Schaf, geschrieben. Die Erklärung, die überall kursiert, ist verlockend: Fisch und Hammel vereint seien der Gipfel des Köstlichen, und manche Restaurants haben daraus ein Gericht gemacht. Das 说文解字 sagt etwas anderes: Dort ist 鲜 der Name eines Fisches, und das Schaf steht nur wegen der Aussprache da. Ich neige zum Shuowen. Die Legende hat immerhin für sich, dass sie in der Küche stimmt.
Fisch, 鱼 , wird ausgesprochen wie 余 , der Überschuss. Deshalb kommt das Festessen am Vorabend des Neujahrsfests nie ohne ganzen Fisch aus, und oft hütet man sich, ihn aufzuessen: Es muss etwas fürs nächste Jahr übrig bleiben. An der Küste kommt ein weiteres Verbot hinzu: Man dreht den Fisch auf dem Teller nicht um, denn 翻 , umdrehen, heißt auch kentern. Ist die Oberseite gegessen, nimmt man die Mittelgräte heraus und isst darunter weiter.
海鲜 , Meeresfrüchte, heißt wörtlich „das Frische aus dem Meer“. Der Herbst ist die Zeit der Wollhandkrabbe, 大闸蟹 , und ein Wort von 鲁迅 hat Karriere gemacht: Der erste Mensch, der eine Krabbe aß, muss ein mutiger Mann gewesen sein, denn wer hätte es sonst gewagt? 第一个吃螃蟹的人, „der Erste, der Krabbe isst“, ist heute der Pionier. Die Flusskrebse, 小龙虾 , kamen viel später: Man sagt, sie seien in den 1930er-Jahren aus Japan nach Nanjing gelangt, und sie sind zum Gericht der Sommerabende geworden, mit Bier.
Die Redewendungen sind oft grausam, wie die Küche. 杀鸡儆猴 , man tötet das Huhn, um den Affen zu erschrecken. 人为刀俎,我为鱼肉 stammt vom Bankett von Hongmen, aus den Historischen Aufzeichnungen von 司马迁 : Der künftige Gründer der Han-Dynastie, bei seinem Rivalen zu Gast, begreift, dass er der Fisch auf dem Hackbrett ist, und verschwindet vor dem Ende des Mahls. Edler ist 鱼和熊掌不可兼得 , das von Menzius stammt: Zwischen dem Fisch und der Bärentatze wählt er die Bärentatze, und zwischen dem Leben und der Gerechtigkeit die Gerechtigkeit.
Die Alltagssprache hat daraus lustige Bilder bewahrt. Entlassen werden heißt 炒鱿鱼 , „den Kalmar sautieren“: Im Wok rollen sich die Kalmarstreifen ein, so wie der entlassene Angestellte seine Decke zusammenrollt, um zu gehen. 吹牛 , prahlen, heißt „in den Ochsen blasen“: Die verbreitetste Erklärung spricht von Ochsenhäuten, die man mit dem Mund aufblies, um Flüsse zu überqueren, wofür man viel Puste brauchte, aber eine alte Quelle habe ich dazu nicht gefunden. Und der Geizhals ist ein 铁公鸡 , ein eiserner Hahn, dem man keine Feder ausreißen kann.
Bleibt der Satz, der die Liste abschließt, 割鸡焉用牛刀. Konfuzius kommt nach Wucheng, das sein Schüler 子游 verwaltet, und hört überall Gesang und Saitenspiel. Er lächelt: „Um ein Huhn zu töten, nimmt man da das Messer, mit dem man Ochsen zerlegt?“ Riten und Musik für eine so kleine Stadt, das ist zu viel. Ziyou erinnert ihn an seine eigenen Lehren, und der Meister gibt sofort nach: „Was ich eben gesagt habe, war nur ein Scherz“ (auf unserer Seite Kapitel 17 der Gespräche des Konfuzius). Es ist eine der seltenen Stellen, an denen Konfuzius lacht. Es ist auch eine der seltenen, an denen er dem Schüler recht gibt.
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Gebrauchsanweisung: Jedes Wort trägt sein Niveau. ① das Wesentliche, ② das Geläufige, ③ das Genaue. Beginnen Sie mit den ①: sie reichen schon, um über Fleisch und Fisch des Alltags zu sprechen. Die Schaltfläche ▶ gibt die Aussprache, und ein Klick auf ein Zeichen öffnet seine Strichfolge.
Fleisch
Fleisch essen
das Schweinefleisch
das Rindfleisch
das Lamm- und Hammelfleisch
die Schweinerippchen, die Spareribs
das Steak
das Fett (am Fleisch)
das Fleisch in Scheiben
das Fleisch in Streifen
der Schweinebauch („Fünf-Blumen-Fleisch“)
die Lammkoteletts
die Fleischfüllung, das Hackfleisch
das Filet (vom Schwein, vom Rind)
die Rinderbrust (zum Schmoren)
das fein gehackte Fleisch
das Fleisch in Würfeln
Geflügel
das Huhn, das Hähnchen
das Hühnerfleisch
die Hähnchenkeule
der Hähnchenflügel
die Ente
das Entenfleisch
die Pekingente, die gebratene Ente
das frittierte Hähnchen
die Hähnchenbrust
der Truthahn, die Pute („Feuerhuhn“)
die Taube
die gebratene Gans (kantonesisch)
das schwarze Seidenhuhn („Krähenhuhn“)
die gesalzene Ente aus Nanjing
die Wachtel
Innereien
der Schweinefuß
die Schweineleber
die Innereien
der Rindermagen, die Kutteln
der Blättermagen vom Rind („haariger Magen“)
der Schweinedarm
das Entenblut (gestockt)
der Hühnermagen
die Nieren
die Rinderzunge
Wurstwaren, Konserven und Getrocknetes
die Wurst
der Schinken („Feuerschenkel“)
das Fleischbällchen
der Speck, der Bacon
das getrocknete, geräucherte Fleisch (des zwölften Monats)
die chinesische Trockenwurst
die Konserve, die Dose
der Seetang, die Kombu-Alge
die Nori-Alge („Purpurgemüse“)
das Trockenfleisch vom Rind
das Frühstücksfleisch aus der Dose („Mittagessenfleisch“)
die Fleischwolle (getrocknetes, zerfasertes Fleisch)
der Trockenfisch
die kleinen getrockneten Garnelen
Fische
der Fisch
das Fischfleisch
der Lachs (vom englischen „salmon“)
der rohe Fisch in Scheiben, das Sashimi
die Gräte
der Karpfen
der Fisch in Scheiben, das Fischfilet
das Fischbällchen
der Graskarpfen („Grasfisch“)
der Degenfisch, der Haarschwanz („Gürtelfisch“)
der Kabeljau, der Dorsch
der Aal
der Wolfsbarsch, der Barsch
die Karausche
der Gelbe Umberfisch („gelber Fisch“)
die Fischschuppe
Garnelen, Krabben und Muscheln
die Meeresfrüchte („das Frische aus dem Meer“)
die Garnele
der Hummer, die Languste („Drachengarnele“)
die Krabbe, der Krebs
die geschälte Garnele
der Kalmar
der Flusskrebs
der Krake, der Oktopus
die Wollhandkrabbe
die Jakobsmuschel
die Auster
das Seeohr, die Abalone
der Krabbenrogen
die Venusmuschel
die Seegurke
Gutes Essen, Frische und Tabus
das Fleisch- oder Fischgericht
das Gefrierfleisch
Huhn, Ente, Fisch und Fleisch: reichliches, gutes Essen
der lebende Fisch
der Fischgeruch, der strenge Geruch (von rohem Fleisch)
auftauen
der Fleischersatz (aus Soja, aus Gluten)
große Fische und große Fleischstücke: üppige Mahlzeiten
die Köstlichkeiten der Berge und des Meeres
wieder Fleisch essen (nach einer fleischlosen Zeit)
bestimmte Speisen meiden (Diät, Verbot)
die Haifischflosse
das Wild, das Wildbret
Fleisch und Fisch in Redewendungen
Hühnerfedern und Knoblauchschalen: Lappalien
das Huhn töten, um den Affen zu erschrecken: ein Exempel statuieren
kein Ochsenmesser nötig, um ein Huhn zu töten
man kann nicht zugleich den Fisch und die Bärentatze haben
sie sind Messer und Hackbrett, wir sind der Fisch: dem anderen ausgeliefert sein
die Wolle kommt vom Schaf: am Ende zahlt immer der Kunde
im Trüben fischen
der Fisch, der durchs Netz geschlüpft ist
der Salzfisch dreht sich um: ein unerwartetes Comeback
Garnelensoldaten und Krabbengeneräle: ein Haufen Nichtsnutze
das Land von Fisch und Reis: ein Land des Überflusses
einem Hund ein Fleischbrötchen zuwerfen: das sieht man nie wieder
Fische und Drachen durcheinander: Gutes und Schlechtes bunt gemischt
Fleisch und Fisch in Wörtern des Alltags
prahlen, angeben („in den Ochsen blasen“)
feuern, rausschmeißen („den Kalmar sautieren“)
schmalzig, peinlich (da bekommt man Gänsehaut)
gefragt sein, hoch im Kurs stehen
sich drücken, eine ruhige Kugel schieben („den Fisch ertasten“)
ein Ass, ein Könner
die Hühnerbrühe; tröstende Worte
pudelnass („in die Suppe gefallenes Huhn“)
der junge Mädchenschwarm („kleines frisches Fleisch“)
der Salzfisch; ein Mensch ohne Ehrgeiz
der Teamkollege als Klotz am Bein („Schweine-Teamkollege“)
der Geizkragen („eiserner Hahn“: ihm reißt man keine Feder aus)
einem im Geldbeutel wehtun („Fleischschmerz“)
Beispielsätze
Nimmst du Schweinefleisch oder Rindfleisch?
Ich esse das Fett nicht.
Die Pekingente ist sehr berühmt.
Kinder lieben Hähnchenflügel.
Dieser Fisch ist schön frisch.
Ich bin allergisch gegen Meeresfrüchte.
Heute Abend gibt es Schweinerippchen.
Im Kühlschrank sind noch zwei Würste.
Wenn man Fisch isst, muss man auf die Gräten aufpassen.
In China meint man mit „Fleisch“ gewöhnlich Schweinefleisch.
Gefrierfleisch muss man vor dem Kochen auftauen.
Zum Neujahrsfest ist der Balkon voll mit Fleisch und Würsten, die zum Trocknen hängen.
An Sommerabenden gehen die Leute in Scharen Flusskrebse essen.
Sein Chef hat ihn gefeuert.
Hier sind alle Fische lebendig: Sie werden auf der Stelle geschlachtet und zubereitet.
Meine Mutter sagt, Schweinefüße sind gut für die Haut.
Wie hätten Sie Ihr Steak gern?
Hör auf anzugeben, du kannst ja nicht einmal Fisch kochen.
Der Herbst ist die Zeit der Wollhandkrabben.
Zum Neujahrsfest gehört Fisch auf den Tisch: Das heißt „jedes Jahr ein Überschuss“.
Das sind Lappalien, denk nicht mehr daran.
Man kann nicht den Fisch und die Bärentatze haben: Man muss sich entscheiden.
Sie haben Messer und Hackbrett, wir sind der Fisch: Uns bleibt nur, es hinzunehmen.
Nach drei Jahren Dahindämmern ist er endlich wieder obenauf.
Um ein Huhn zu töten, nimmt man da das Messer, mit dem man Ochsen zerlegt?


