Die chinesische Küche heißt 中餐 oder 中国菜 , aber ein Chinese wird Ihnen gern antworten, dass es sie gar nicht gibt. Es gibt stattdessen 菜系 , wörtlich „Systeme von Gerichten“ ⟶ kulinarische Schulen, jede mit ihren Produkten, ihren Garmethoden und ihrem Stolz. Traditionell zählt man acht, die 八大菜系 : Shandong, Sichuan, Kanton, Jiangsu, Fujian, Zhejiang, Hunan und Anhui. Vorsicht, die Liste ist jünger, als man glaubt: Zuerst sprach man von vier großen Küchen, und die acht haben sich erst am Ende der Qing durchgesetzt, je nachdem, wer zählt. Sie lässt übrigens Peking, den Nordosten oder Xinjiang außen vor, die doch ihre Gerichte auf dieser Seite haben. (Die Garmethoden selbst stehen auf der Seite Kochen.)
Die Namen dieser Küchen sind eine Geografiestunde in einem einzigen Zeichen. 鲁 ist das alte Land des Konfuzius, Shandong; 粤 ist Guangdong; 湘 der Fluss, der durch Hunan fließt; 浙 und 徽 sind Zhejiang und die alte Präfektur Huizhou. 川 , der Fluss, kommt von 四川 . Gern erklärt man den Namen mit „vier Flüsse“, er käme aber eher von den vier Verwaltungsbezirken, in die die Song die Region aufgeteilt hatten, den 川峡四路. Am merkwürdigsten ist 闽 , Fujian: ein Tor und darin ein 虫, ein „Insekt“ oder eine Schlange. Das 说文解字 erklärt es als „die Yue des Südostens, vom Geschlecht der Schlange“. Verachtung eines Gelehrten aus dem Norden oder Erinnerung an ein Volk, das die Schlange verehrte? Beide Lesarten haben ihre Anhänger.
Das Sprichwort 南甜北咸,东辣西酸 fasst die Landkarte auf seine Weise zusammen: süß im Süden, salzig im Norden, scharf im Osten, sauer im Westen. Scharf im Osten? Mit Chili hat das nichts zu tun. Das 辣 von Shandong, das sind die rohen Frühlingszwiebeln und der rohe Knoblauch, die man zu den Fladen knabbert; das Saure des Westens ist der schwarze Essig aus Shanxi. Der Chili dagegen kam spät. Aus Amerika stammend, gelangt er am Ende der Ming nach China, unter dem Namen 番椒 , „der Pfeffer der Barbaren“ (der 辣椒 steht auf unserer Seite Obst und Gemüse). Die Küche Sichuans übernimmt ihn erst im 18. Jahrhundert, soweit die Quellen ein Urteil erlauben; vorher würzte sie scharf mit Sichuanpfeffer, dem 花椒 .
In Sichuan erzählen die Namen der Gerichte Geschichten. Der 麻婆豆腐 soll der Tofu der Mutter Chen sein, einer Wirtin aus Chengdu mit pockennarbigem Gesicht, im 19. Jahrhundert: 麻 bedeutet „pockennarbig“ ebenso wie „betäubend“. Das 宫保鸡丁 trägt den Titel eines Gouverneurs der Provinz, 丁宝桢 , ehrenhalber „Hüter des Palastes“, der angeblich gern Huhn mit Erdnüssen aß. Und die 鱼香肉丝 , „Schweinefleischstreifen mit Fischaroma“, enthalten keinen Fisch: Meist erklärt man, dass sie die Würzung der Fischgerichte Sichuans übernehmen. Der Name warnt, aber er führt jeden Anfänger in die Irre.
Im Süden sagt man 食在广州, „gegessen wird in Kanton“. Der vollständige Spruch (Satz 20 der Liste) schickt einen zum Geborenwerden nach Suzhou, wegen der Schönheit seiner Bewohner, zum Leben nach Hangzhou, wegen seiner Landschaften, zum Essen nach Kanton und zum Sterben nach Liuzhou, dessen Holz die besten Särge lieferte. Niemand weiß, wer ihn zuerst gesagt hat. Morgens geht man in Kanton Tee trinken, 饮茶, oder zum 早茶 : Dann ziehen die Bambuskörbchen vorbei, 虾饺, 烧卖 und 凤爪 , die „Phönixkrallen“. Das sind Hühnerfüße. Die kantonesische Küche adelt bescheidene Stücke gern mit einem legendären Namen, und das 佛跳墙 aus Fujian geht noch weiter: Sein Duft soll einen buddhistischen Mönch dazu gebracht haben, über die Klostermauer zu springen. Wieder eine Geschichte, zu schön, um nachgeprüft zu werden.
Die 北京烤鸭 ist das Gericht, das jeder Pekingbesucher gekostet hat (siehe unsere Seite Peking). Dabei soll sie aus dem Süden stammen: Die Ming hätten sie aus Nanjing mitgebracht, als sie ihre Hauptstadt verlegten, zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Der Norden, das sind auch Weizen und Hammel. Der Hammelfeuertopf, 涮羊肉 , hat seine Legende, die ihn im Lager Kublai Khans entstehen lässt; die glaube ich nicht. In Xi’an bröckelt man sein Fladenbrot selbst in die Hammelsuppe, das 羊肉泡馍 , ein Gericht der muslimischen Hui, von denen wir auf der Seite Xi’an sprechen.
Das 东坡肉 trägt den Namen des Dichters 苏东坡 . In der Verbannung in Huangzhou wundert er sich in einem kleinen Gedicht, dass Schweinefleisch dort so wenig kostet: Die Reichen wollen es nicht essen, die Armen können es nicht zubereiten. Es folgt das Rezept, wenig Wasser, schwaches Feuer, und der Rat, der Satz 24 der Liste bildet: warten, nicht drängen, das 火候 sein Werk tun lassen. Beansprucht wird das Gericht allerdings von Hangzhou, wo Su Dongpo den Westsee ausbaggern ließ, und die beiden Städte streiten darum. Weiter östlich heißt die Küche Shanghais 本帮菜 , wörtlich „die Küche unserer Bande“ ⟶ die einheimische Küche: Zucker, Sojasauce und 小笼包 , in die man vorsichtig hineinbeißt.
Die fremden Küchen sind auf zwei Wegen in die Sprache gekommen. Über den Klang: 汉堡 (das auch die Stadt Hamburg bezeichnet), 披萨 , 沙拉 , 三明治 , 咖喱 . Oder über den Sinn: 薯条 , die „Kartoffelstäbchen“, 意大利面 , die „Nudeln aus Italien“, 快餐 , das „schnelle Essen“. Gewöhnlich zieht das Chinesische den zweiten Weg vor, aber die Küche widersetzt sich ihm. Und das 西餐 , das „Essen des Westens“, wirft Steak, Pizza und Croissant in einen Topf, und man hört oft, dass man danach noch hungrig vom Tisch aufsteht.
Die chinesische Küche im Ausland ist ihrerseits für Chinesen eine fremde Küche. Das 左宗棠鸡 , das General-Tso-Hühnchen, trägt den Namen eines Generals aus dem 19. Jahrhundert, der es nie gegessen hat: Es wurde in den 1950er-Jahren in Taiwan von einem Koch aus Hunan erfunden und dann in New York gesüßt. Das 杂碎 , das Chop Suey, soll dem Vizekönig 李鸿章 bei seinem Besuch in New York 1896 serviert worden sein; das Gericht gab es schon vor ihm, die Legende hat den Rest besorgt. Und der 幸运饼干 , der Glückskeks, ist amerikanisch, vielleicht japanischen Ursprungs: In China findet man ihn kaum. In der Gegenrichtung behält der chinesische Reisende oft seinen 中国胃 , seinen „chinesischen Magen“, und reist mit Instantnudeln im Koffer.
In der Alltagssprache ordnet ein einfaches 式 alles nach Ländern: 港式, 日式, 法式, 美式 (das im Café auch den Americano bezeichnet). Das 洋 des Fremden hat einen Hauch von Mode behalten: Was 洋气 ist, gilt als schick. 吃洋荤 , wörtlich „fremdes Fleisch essen“, heißt, zum ersten Mal etwas aus der Fremde zu kosten. Und wenn KFC in China zum Frühstück Reisbrei und frittierte Teigstangen serviert oder eine Pizza sich auf Durian einlässt (Satz 22), spricht man von 本土化 , „Anpassung an den heimischen Boden“. Mao wiederum sagte 洋为中用: das Fremde in den Dienst Chinas stellen.
Der letzte Satz der Liste stammt von Menzius: 口之于味也,有同嗜焉, „die Münder teilen die Vorliebe für dieselben Aromen“. Der Beweis, sagt er, ist, dass sich alle auf den Geschmack von 易牙 verlassen, dem Koch des Herzogs Huan von Qi (man schreibt ihm Verbrechen zu, die ich Ihnen erspare). Menzius zog daraus eine moralische Lehre: Wenn sich unsere Münder über das Gute einig sind, können sich unsere Herzen über das Rechte einigen. Alle Münder gleichen sich. Die Küchen viel weniger.
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Die großen Küchen Chinas
die chinesische Küche; das chinesische Essen
die chinesische Küche, ein chinesisches Gericht
die Sichuan-Küche
die kantonesische Küche
die Hunan-Küche
die acht großen Regionalküchen
eine kulinarische Schule, eine Regionalküche
die Küche des Nordostens
die regionale, lokale Küche
die Shandong-Küche
die Huaiyang-Küche (Yangzhou, Huai’an)
die Zhejiang-Küche
die Fujian-Küche
die Anhui-Küche (Huizhou)
Sichuan und der Chili
der Hot Pot, das chinesische Fondue („Feuertopf“)
der Mapo-Tofu („Tofu der pockennarbigen Alten“)
das Kung-Pao-Huhn (Hühnerwürfel mit Erdnüssen)
die Schweinefleischstreifen „mit Fischaroma“ (ohne Fisch)
das Malatang (Gemüse und Fleisch, in scharfer Brühe gegart)
das zweimal gegarte Schweinefleisch („in den Wok zurückgekehrtes Fleisch“)
der in Chilibrühe pochierte Fisch
die Dan-Dan-Nudeln („Nudeln der Tragestange“)
das frittierte Huhn mit getrockneten Chilis
der Fisch mit fermentiertem Kohl
die Spieße, in scharfe Brühe getaucht
das Huhn, „bei dem einem das Wasser im Mund zusammenläuft“
das Maocai (ein Malatang, in der Schale serviert)
Kanton und der Süden
der Morgentee (Dim Sum auf kantonesische Art)
das glasierte Schweinefleisch auf kantonesische Art (Char Siu)
die Siu Mai (offene gedämpfte Teigtaschen)
die Garnelenteigtaschen (Har Gow)
die gedämpften Reisnudelrollen (Cheung Fun)
der Reis im Tontopf („Reis aus dem Töpfchen“)
die Nudeln mit Wantans
die kantonesischen süßen Suppen („Zuckerwasser“)
das weiße pochierte Huhn
die Hühnerfüße („Phönixkrallen“)
„Buddha springt über die Mauer“ (Luxussuppe aus Fujian)
das kantonesische Brat- und Grillfleisch
Peking, der Norden und der Westen
die Pekingente
die Nudeln mit gebratener Sojabohnenpaste
die Rindfleischnudeln (aus Lanzhou)
der Pekinger Hammelfeuertopf
das frittierte süßsaure Schweinefleisch aus dem Nordosten
die „drei Frischen der Erde“ (Aubergine, Kartoffel, Paprika)
die Schweinefleischstreifen in Pekinger Sauce
die Hammelsuppe mit eingebröckeltem Brot (Xi’an)
das Xinjiang-Huhn „auf der großen Platte“
der uigurische Reispilaw („Reis, den man mit der Hand nimmt“)
das geschmorte Schweinefleisch mit Glasnudeln (Nordosten)
der ganze gebratene Hammel
Shanghai und der untere Jangtse
die kleinen gedämpften Brötchen mit Brühe (Xiaolongbao)
das in Sojasauce geschmorte Schweinefleisch
die in der Pfanne gebratenen Brötchen aus Shanghai
das Dongpo-Schweinefleisch (nach Su Dongpo)
die Fleischbällchen „Löwenkopf“
der Fisch in Essigsauce vom Westsee
der Barsch „Eichhörnchen“ (frittiert, in süßsaurer Sauce)
das Bettlerhuhn (in Lehm gegart)
die traditionelle Shanghaier Küche
die Garnelen mit Longjing-Tee
das betrunkene Huhn (in Wein mariniert)
Die Küchen der Welt
die westliche Küche; das Essen nach westlicher Art
die ausländische Küche
die japanische Küche
das Sushi
die französische Küche
die Pasta („Nudeln aus Italien“)
die Pizza
der Hamburger
die Pommes frites („Kartoffelstäbchen“)
das Fast Food, die Schnellgastronomie
die koreanische Küche
der gemischte Salat
das Curry
das eingelegte Gemüse; das Kimchi
das Sandwich
Zwischen China und dem Ausland
das chinesische Restaurant
McDonald’s
KFC
das westliche Restaurant
sich an ein Essen nicht gewöhnen können
sich an ein Essen gewöhnt haben
das westliche Fast Food
das General-Tso-Hühnchen
das Chop Suey („gemischte Stücke“)
der Glückskeks (Fortune Cookie)
der „chinesische Magen“ (der nur chinesisches Essen verträgt)
Eine Küche probieren
authentisch, aus der echten Tradition
die Spezialität, die Eigenart
der typische Geschmack, das Aroma eines Ortes
das Paradegericht, die Spezialität des Hauses
ein berühmtes Gericht
der Feinschmecker, der Gastronom
die Küche von zu Hause, aus der Heimat
das Traditionshaus, das alteingesessene Geschäft
die ersten Früchte der Saison kosten; Neues ausprobieren
die Privatküche (Essen bei jemandem zu Hause)
die Fusionsküche
eine erlesene Speise
Die Küchen in Redewendungen
Farbe, Duft und Geschmack: Es ist alles da
ein Nachgeschmack, den man nicht vergisst
etwas, das man nie leid wird
süß im Süden, salzig im Norden, scharf im Osten, sauer im Westen
„gegessen wird in Kanton“
schlemmen („das Glück des Mundes sättigen“)
am Berg lebt man vom Berg, am Wasser vom Wasser
„China auf der Zungenspitze“ (Dokumentarfilm, 2012)
gut essen und trinken, im Wohlstand leben
der Rauch der Küchen der Menschen: das gewöhnliche Leben
weder chinesisch noch westlich
Die Küchen in Wörtern des Alltags
nach Hongkonger Art
nach japanischer Art
nach koreanischer Art
nach französischer Art
nach amerikanischer Art
nach westlicher Art
nach italienischer Art
fremdländisch wirkend, schick, angesagt
die Verbindung von China und dem Westen
das Sammelsurium („großer gemischter Eintopf“)
die lokale Anpassung
die Kultur des schnellen Konsums
das Fremde in den Dienst Chinas stellen
zum ersten Mal etwas Fremdes kosten
Beispielsätze
Ich esse sehr gern Sichuan-Küche.
Lass uns heute Abend Feuertopf essen gehen.
Hast du schon einmal Pekingente gegessen?
Mapo-Tofu ist sehr scharf: Verträgst du scharfes Essen?
Ich bin westliches Essen nicht besonders gewohnt.
Kinder lieben Hamburger und Pommes.
Die Teigtaschen in diesem chinesischen Restaurant sind authentisch.
Die Xiaolongbao aus Shanghai sind besonders berühmt.
Die Kantonesen gehen morgens gern in ein Teehaus, um Tee zu trinken und Dim Sum zu essen.
In den Schweinefleischstreifen „mit Fischaroma“ ist eigentlich gar kein Fisch.
Nach Jahren im Ausland vermisst man am meisten das Essen von zu Hause.
Viele chinesische Touristen gewöhnen sich auch in Europa nicht an westliches Essen.
Farbe, Duft, Geschmack: Dieses Gericht hat alles, schon beim Anschauen bekommt man Hunger.
Dieses Haus besteht seit hundert Jahren; sein Paradegericht ist geschmortes Schweinefleisch.
In diesem Restaurant ist die Einrichtung japanisch, das Essen aber französisch.
Im Ausland bieten viele chinesische Restaurants General-Tso-Hühnchen an.
Drei Jahre in Frankreich, und er hat immer noch einen chinesischen Magen.
Dieser Film ist ein Sammelsurium: Von allem ist etwas dabei.
Süß im Süden, salzig im Norden, scharf im Osten, sauer im Westen: Der Geschmack der Chinesen hängt stark von ihrer Region ab.
Geboren werden in Suzhou, leben in Hangzhou, essen in Kanton, sterben in Liuzhou.
Am Berg lebt man vom Berg, am Wasser vom Wasser: An der Küste isst man gern Meeresfrüchte.
In China angekommen, hat sich die Pizza auf Durian eingelassen: Das ist lokale Anpassung.
Dieses Restaurant verbindet China und den Westen: Auf der Karte stehen Teigtaschen und Steaks.
Lassen Sie es in seinem eigenen Tempo garen, drängen Sie es nicht: Wenn das Feuer seine Zeit gehabt hat, wird es von selbst gut.
Die Münder teilen die Vorliebe für dieselben Aromen.


