李绅
五言绝句
Zeichenerklärungen
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锄
«jäten; die Hacke». 锄禾 «das Getreide hacken».
禾
«Getreidepflanze, aufrechter Reis/Weizen». 锄禾 «die Ähren hacken».
日
«Sonne». 日当午 «die Sonne im Zenit».
当
«mitten drin sein, zum Zeitpunkt». 当午 «mitten am Tag».
午
«Mittag». 日当午 «die Mittagssonne», die brennendste.
汗
«Schweiß». 汗滴 «der Schweiß tropft».
滴
«tropfen, tröpfeln». 汗滴 «der Schweiß fällt Tropfen für Tropfen».
禾
«Getreidepflanze». 禾下土 «die Erde unter den Ähren».
下
«unter, unten». 禾下 «am Fuß der Pflanzen».
土
«Erde, Boden». 禾下土 «die Erde unter dem Getreide».
谁
«wer». 谁知 «wer weiß, dass…».
知
«wissen». 谁知 «wer würde ahnen».
盘
«Teller, Schüssel». 盘中 «auf dem Teller».
中
«in, inmitten». 盘中餐 «die Mahlzeit auf dem Teller».
餐
«Mahlzeit, Nahrung». 盘中餐 «das servierte Essen».
粒
«Korn». 粒粒 (verdoppelt) «jedes Korn».
粒
«Korn». Die Wiederholung betont: «Korn für Korn».
皆
«alle, ganz». 粒粒皆 «jedes Korn ist…».
辛
«Mühsal, Bitterkeit». 辛苦 «Mühsal, Arbeit».
苦
«schwer, mühsam». 辛苦 «die schwere Arbeit».
Wörtliche Übersetzung
Die Ähren mitten am Tag hackend,
Der Schweiß tropft auf die Erde am Fuß der Pflanzen.
Wer weiß, dass auf dem Teller,
Jedes Korn Mühsal und Arbeit ist?
Historischer und biografischer Kontext
Dieses Gedicht, 悯农 («Mitgefühl mit den Bauern», stellt die Mühe des Bauern dem Essen auf dem Teller gegenüber und ruft zu Respekt vor der Arbeit und zur Genügsamkeit auf.
Literarische Analyse
Struktur und Form
Ein Vierzeiler mit fünf Zeichen in zwei Teilen: die Szene der Mühsal (Verse 1–2), dann die Lehre an den Leser (Verse 3–4), verbunden durch die Frage 谁知 («wer weiß?»).
Bilder und Symbolik
Der auf die Erde fallende Schweiß verbindet direkt die körperliche Anstrengung mit der daraus entstehenden Nahrung; das Reiskorn wird zum Symbol einer unsichtbaren Mühsal.
Bewegung und Geste
Die wiederholte Geste des Hackens unter der Mittagssonne macht die Härte der landwirtschaftlichen Arbeit körperlich spürbar.
Sprache und Tonalität
Sehr einfache, fast gesprochene Sprache; die Verdoppelung 粒粒 und die rhetorische Frage verleihen dem Gedicht eine unmittelbare moralische Kraft.
Hauptthemen
Respekt vor der bäuerlichen Arbeit
Hinter jeder Mahlzeit verbirgt sich eine mühsame Arbeit, die zu oft übersehen wird.
Gesellschaftskritik
Das Gedicht prangert implizit die Gleichgültigkeit der Wohlhabenden gegenüber denen an, die ihre Nahrung produzieren.
Genügsamkeit und Dankbarkeit
Es lädt ein, nicht zu verschwenden und den Wert dessen zu ermessen, was man isst.


