王维
五言绝句
Zeichenerklärungen
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空
"leer, verlassen". 空山 „der verlassene Berg", still.
山
"Berg". Das einsame Bild des Gedichts.
不
"nicht…". Verneinung: niemand ist zu sehen.
见
"sehen". 不见人 „niemand ist zu sehen".
人
"Mensch". Die sichtbare Abwesenheit von Menschen.
但
"nur, aber". Kontrastmarkierung: nichts gesehen, aber etwas gehört.
闻
"hören". Stimmen wahrnehmen.
人
"Mensch". 人语 „menschliche Sprache", hörbar aber unsichtbar.
语
"Sprache, Stimme". 人语 „menschliche Stimmen".
响
"hallen, Echo". Das Echo der Stimmen im Berg.
返
"zurückkehren". 返景 „das zurückkehrende Licht".
景
"Licht". 返景 = die schrägen Strahlen der Abendsonne.
入
"eintreten". Das Licht dringt in den Wald.
深
"tief". 深林 „der tiefe, dichte Wald".
林
"Wald". 深林 „der tiefe Wald".
复
"wieder, erneut". Das Licht leuchtet „erneut".
照
"beleuchten". 照…上 „scheint auf…".
青
"grün". 青苔 „das grüne Moos".
苔
"Moos". 青苔 auf dem schattigen Boden.
上
"auf, oben". 青苔上 „auf dem Moos".
Wörtliche Übersetzung
Verlassener Berg, niemand ist zu sehen,
On entend seulement l'écho de voix humaines.
La lumière du couchant pénètre la forêt profonde,
Et de nouveau éclaire la mousse verte.
Historischer und biografischer Kontext
Ce poème, 鹿柴 (), „Das Hirschgehege", gehört zum Zyklus seines Rückzugs in Wangchuan. Es erfasst einen flüchtigen Moment von Licht und Stille in den Bergen.
Literarische Analyse
Struktur und Form
Ein Fünfzeichen-Vierzeiler, der auf zwei Kontrasten aufbaut: Stille und Laut (das Echo), Leere und ein Lichtstrahl. Die zwei Distichen antworten einander, vom Hören zum Sehen.
Bildsprache und Symbolik
Körperlose Stimmen, dann ein Abendstrahl auf dem Moos: eine Ästhetik des Fast-Nichts, geerbt von der Tuschmalerei, wo das Wesentliche suggeriert wird.
Bewegung und Geste
Keine Figur handelt; die einzige Bewegung ist die des Lichts, das in den Wald tritt und sich auf dem Moos niederlässt, wie ein Blick.
Sprache und Tonalität
Klare, sinnliche Sprache; heiterer, kontemplativer Ton. Die Stille wird paradoxerweise durch einen Laut vermittelt – das ferne Echo einer Stimme.
Hauptthemen
Leere und Stille
Die Leere (空) ist kein Nichts, sondern friedvolle Fülle, dem chan-buddhistischen Ideal nahe, das Wang Wei schätzte.
Die Natur als Offenbarung
Ein gewöhnlicher Moment — ein Lichtstrahl auf dem Moos — wird zur stillen Epiphanie.
Gelassene Einsamkeit
Die Abwesenheit von Menschen ist kein Mangel, sondern Harmonie mit dem Berg.


